Erlebnisbericht Abgeordnetengespräch: Was macht Frau am ersten Samstag im Monat Februar?
Freitag, 11. Februar 2011
Genau... Sie folgt der Einladung der sächsischen Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zu einem Abgeordnetengespräch in den Landtag.
Mit einem kurzen Begrüßungsritual: dem Verteilen von Namenskettchen, um den vereinsamten Individuen die Kontaktaufnahme zu erleichtern, schien bereits die erste Hemmschwelle in solchen Situationen genommen. Zu Beginn nahmen wir in einem der Tagungsräume platz. Die Einrichtung war zwar karg, aber mit ausreichend Kaffee, Wasser und Keksen ausgestattet, so dass keinem der Gedanke zur übereilten Flucht kam. Nicht zu vergessen ist, zu erwähnen, dass dieser Raum einen wundervollen Panoramablick auf die Elbe zuließ.
Los geht’s!
Aber nun zurück zum Wesentlichen, Antje Hermenau, ihres Zeichens Fraktionsvorsitzende, ließ ihrer Begrüßung noch ein paar Worte zu den Mitarbeitern der Fraktion der BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Landtag folgen, um dann auf Karl-Heinz Gerstenberg, parlamentarischer Geschäftsführer, zu verweisen, der die folgende Führung durch den Landtag leiten sollte. Auf dem Weg zum ersten architektonischen Schmankerl´ erhellten einige Gespräche mein Gehör. In denen kam immer wieder zur Sprache, dass die meisten Leute schon seit Jahren mit den Bündnisgrünen sympathisieren, aber daraus nicht unbedingt der Grund erwächst in die Partei einzutreten. Doch ehe ich zu tief in das Gespräch versinken kann, sind wir am ersten Zwischenstopp angelangt.
Vergangenheit trifft Gegenwart
Die baulichen Besonderheiten werden uns ausführlich geschildert, trotz aller Worte ist es schwer vorstellbar, wie es hier (im Turm) vor 20 Jahren ausgesehen haben muss. Zwei Worte, die es wohl zusammenfassen: DUNKEL, VERBAUT. Das genaue Gegenteil sind die heutigen Fraktionssäle im Turm. Dem Rundgang folgend, erheiterte doch die ein oder andere Anekdote über die Anfänge einer demokratischen, parlamentarischen Arbeit die Runde. Es wurde nicht nur mit den baulichen Hinterlassenschaften gekämpft, sondern auch mit ganz menschlichen Bedürfnissen, wie dem Übernachten am Arbeitsplatz, weil es wieder einmal zu spät wurde.
Interessant erschien mir vor allem die Reaktion zu beobachten, die die meisten Anwesenden, wahrscheinlich noch nicht einmal bewusst, zeigten, als uns der Weg an den Fraktionsräumen der NPD vorbeiführte. Allein das Schild führte von leichten Gesichtsentgleisungen, über Kopfschütteln, bis hin zu einem betretenen Blick auf den Boden. Gut das dieser Moment nur eine kurze Episode eines sehr gelungenen Rundgangs einnahm.
Hinter den Kulissen
An den Räumen der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN angelangt, führte ein Blick ins Büro des Parlamentarischen Geschäftsführers für das ein oder andere Gelächter. Geordnetes Chaos trifft es wohl am ehesten. Danke für diesen ungeschönten Blick hinter die Kulissen. Im Gegensatz dazu ist die Schönheit der Kunst entlang des „Bündnisgrünen Ganges“ allgegenwärtig, nicht nur im Sinne des baulichen Stils und dem Blick direkt hinüber zum Elbufer, in den Plenarsaal oder dem Innenhof mit seiner Stahlskulptur, nein auch an den Wänden sind ausgewählte Fotografien/ Gemälde zu finden.
Auf dem Weg zurück ins Bürgerfoyer machte ich eine ungeahnte Entdeckung. So muss Frau, um in die Fraktionsräume zu gelangen, durch eine Schleuse (ähnlich derer in Justizvollzugsanstalten, dachte ich im ersten Moment) gehen, in der sich die eine Türe schließt (der Bewegungsradius entspricht einem gefühlten Meter), eine Kamera „summt“, ehe sich die nächste Tür öffnet. Aber bei unserem heutigen Besuch wurden natürlich beide Türen gleichzeitig geöffnet, was an diesem Tag nicht immer ganz reibungslos funktionierte und zu einem späteren Zeitpunkt einigen den Gang in den Plenarsaal verwehrte. Ich nutzte also im Bürgerfoyer angekommen die dortige Ausstellung „Akteure im Bild – Der Sächsische Landtag 1990-1994“ zum kurzen Verweilen. Das ein oder andere Bild fiel mir nicht allein Frisuren technisch auf, auch Gestik und Mimik der Akteure ließen sich verschiedenster Art interpretieren.
Auf in die grüne Zukunft!
Beim anschließenden Mittagessen hatte ich das Glück einen Tisch mit hohem Gesprächsbedarf zu erwischen. Unterschiedlichste Einstellungen und Fragen prallten aufeinander und machten mir somit mein Mittagessen schmackhafter, als es der Anblick dessen versprach. Diese angeregte Unterhaltung u.a. über grüne Politik im Alltag und Mitwirkungsmöglichkeiten des Einzelnen war sehr aufschlussreich, keinesfalls langweilig, wie im vorurteilsbehaftetem Denken meiner Selbst oftmals angenommen. Schön zu hören, dass der ein oder andere aus den selben Gründen ähnlich dachte und nun eines besseren belehrt wird. Jeder spricht aus einer anderen Motivation heraus, doch letztlich mit dem gleichen Schlussakkord: „daher engagiere ich mich bei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN“. Ich als junge, parteilose Frau frage mich nun ernsthaft, ob dies wirklich soweit außerhalb meiner Vorstellungskraft liegt, vielleicht sogar Mitglied zu werden. Ähneln sich doch unser aller Beweggründe. Jeder der sich wieder einmal fragt, wieso um Himmels Willen gehst du am Samstagvormittag auf solch eine Veranstaltung: um Menschen zu treffen, die meinen Horizont erweitern und mich inspirieren.
Sabrina, 26 Jahre jung, MA Poltikwissenschaften/ Philosophie
und in meiner Freizeit Kapitöse der Floorballmannschaft red-kites.de (Nur zur Erklärung, der MFBC ist ein Vereinsverbund. Meine Mannschaft ist die MFBC LÖWEN LADIES LEIPZIG, nicht der MFBC Wikinger Grimma. Das ist ein wesentlicher Unterschied, der auf den ersten Blick dieser Seite nicht ersichtlich ist, da auch noch alle Herrenmannschaften aufgezählt sind.. :)








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